Enter Africa – Teil 15. – Erster Workshoptag in Yaounde/Kamerun

Liebe Leser,

heute möchte ich über den ersten Workshoptag in Yaounde/Kamerun berichten. Der erste Tag ist immer besonders spannend, denn hier lernen wir das Team kennen. Egal wie gut wir vorbereitet sind, wir müssen den Workshop jedes Mal an die Gegebenheiten vor Ort anpassen. In Yaounde haben wir den weitaus größten Teil des Teams schon am Vorabend getroffen. Es gab ein informelles Meeting bei dem wir uns kennenlernten und austauschen konnten. Schnell wurde klar, dass wir wieder eine sehr kreative aber auch heterogene Gruppe haben. Die Motivation, die Begeisterung war und ist riesig und so entstanden gleich weitere Ideen für Nebenprojekte. So wollen wir z.B. alle Musiker in den 15 Gruppen vernetzen, damit wir zusammen den Soundtrack zu „Enter Africa“ entwickeln können.

Der eigentliche erste Workshoptag begann mit dem gemeinsamen Spielen eines Spiels. Es geht dabei um die Frage, was passiert, wenn wir in einem Spiel nur eine Regel ändern (die einzelnen Elemente der Workshops werde in getrennten Workshops beschreiben und sie werden auch Teil des Buches sein, welches ich gerade parallel schreibe). Wie bei allen Aktivitäten entwickeln wir auch im Spiel Automatismen. Haben wir die Regeln eines Spiels verstanden, kümmern wir uns nicht weiter darum – wir spielen einfach. In der ersten Übung des Tages konzentrieren wir uns auf Regeln indem wir in Spielen jeweils eine Regel ändern und dann gemeinsam überlegen, was diese Veränderung für die Spielerfahrung bedeutet. Mir ist es sehr wichtig, dass wir möglichst wenig klassische Theorieanteile im Workshop haben. Alle Teilnehmer haben bereits Spielerfahrung – jedoch wird diese nur selten reflektiert. Auch in Deutschland wird diese Form der Reflektion nur selten durchgeführt. Es geht öfter um die emotionale Erfahrung beim Spieler – z.B. in den medienpädagogischen Ansätzen. Um Game-Design zu lernen muss man m.E. vor allem Spielen und die jeweiligen Spiele analysieren. Es ist ein bisschen vergleichbar mit meinem Studium als Jazz-Schlagzeuger. Damals haben wir im Wesentlichen drei Aufgaben gehabt: Technik erlernen, Jazz spielen und vor allem Jazz hören und analysieren. Unsere Liebe zur Musik war also der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dieser größten aller Musikformen.

Im zweiten Teil des Workshops ging es um rudimentäre Spielmechaniken. Ich habe schon in meinen Beiträgen zu den Workshops in Dakar darüber geschrieben. Was wir in dem Workshop geändert haben ist, dass wir uns ausschließlich, d.h. den ganzen Tag mit wenigen Kern-Mechaniken beschäftigt haben. Für die Teilnehmer ist es wichtig, dass Sie verstehen, was im Kontext des Spiels das Ziel, das Feedback, der “path to mastery”, ein davon abgeleitetes Level-Design und die mit diesen Punkten verbundene Story bedeuten bzw. wie man diese Elemente anwendet. Es geht darum, den Kern einer Spielidee zu verstehen. Dieses Wissen ist extrem wichtig. Andernfalls kann es passieren, dass man keine Spiel- sondern eine Story-Erfahrung entwickelt. Das bedeutet, man folgt einer Geschichte mit interaktiven Elementen – was zumeist ziemlich langweilig ist.

In der Pause habe ich mich mit Dagmawi über die Frage unterhalten, wie man einen Architekten in einen Game-Designer “transformieren” kann. Das Video ist auf Youtube vorhanden. Ich habe es hier eingebettet. Solange es nicht gestartet wird, speichert Youtube keine Daten via Cookies. Ihr könnt Euch das Video auch direkt auf Youtube ansehen. Wem dies alles nicht zusagt, dem kann ich auch einen Link zu einer Cloudlösung senden.

Beste Grüße

Christoph Deeg

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