Finanzkrise vs. Kulturkrise

Es ist schon faszinierend. Gebannt wie das Kanninchen auf die Schlange, so schauen wir auf die globalen Wirtschaftsdaten und sorgen uns um die Zukunft bzw. das was wir dafür halten. Dabei vergessen wir gerne, dass von oben betrachtet der Bereich Wirtschaft und Finanzen nur einen kleinen Teil unserer Gesellschaft ausmachen sollten.

Vielleicht ist es noch viel schlimmer als es aussieht und wir haben eine handfeste Kulturkrise? In den letzten Wochen ist mir aufgefallen wie seltsam still die Kultur geworden ist. Wo sind die wütenden Proteste gegen das, was wir nun vorfinden? Wo ist der laute Ruf nach mehr Kultur in der Politik?

Es scheint, als habe die Kultur die Stimme verloren. Ist die Kultur vielleicht überfordert? Kann sie sich nicht auf neue Lebensbereiche, neuen Herausforderungen und Gegebenheiten einstellen? Ist Kultur letztlich out?

Ich glaube wir brauchen ein neues Kulturverständnis. Kultur darf nicht mehr als nettes Anhängsel für nette Rotweinabende dienen. Kultur ist mehr als ein mehr oder weniger intellektuell-emotionales Freizeitvergnügen. Kultur ist mehr als Hochkultur, Kulturwirtschaft oder Creative Industries. Kultur muss die Basis unsererr Gesellschaft werden. Nicht im konservativ-rückwärtsgerichteten Sinn. Nicht in einem christlich-abendländischen Pseudoselbstverständnis. Nicht in als Identitätsdroge um vorhandene Mißstände zu übermalen. Sondern als Brücke zwischen den einzelnen Lebensbereichen – also zwischen Technologie, Religion, Ethik, Philosophie, Wirtschaft und jedem Einzelnen von uns.

Oder wie es Arnold Schönberg formulierte:

Ich bin ein Konservativer – ich bewahre den Fortschritt

Christoph Deeg

6 thoughts on “Finanzkrise vs. Kulturkrise

  1. Das war jetzt aber eine diplomatische Antwort, mit einem sehr geringen Informationsgehalt. Führ das doch mal näher aus. Habe ja genügend Fragen gestellt. Wäre schon gespannt auf deine ausführlichen Antworten.

  2. Hallo Mandy,

    Web2.0 und Kultur sind ein spannendes Thema. Genauer gesagt geht es um die Frage, wie kulturelle und wissenschaftliche Inhalte in der Zukunft vermittelt werden und welche Bedeutung sie für unser Leben haben können. Das ist auch der Grund warum ich mit Julia Bergmann und Jin Tan die Zukunftswerkstatt ins Leben gerufen habe;-)

    Liebe grüße

    Christoph

  3. Also ganz ehrlich fällt mir spontan auf deine Fragen keine Antwort ein. Wie wär´s mit einem Vorschlag deinerseits? Was bedeutet web2.0 für die Kultur in deinen Augen? Was sind die Vorteile und Nachteile von user generated content? oder
    Wie hoch ist der Anteil derer, die tage- und nächtelang nach Informationen online suchen, diese auch finden oder verzweifelt aufgeben, weil die Suchmaschine nur mangelhafte Info anbietet?
    Und ist es nicht merkwürdig, wenn eine Maschine mir nach meinen Interessen gefilterte Infos anbietet?

  4. Die Kultur hat eine Stimme? Das wäre etwas!!! Ist es nicht vielmehr so, dass KULTUR immer als Schlagwort herhalten muss und die meisten gar nicht wissen, von was sie da eigentlich sprechen. Ist nicht KULTUR ein diffuser Überbegriff für diverse kulturelle Sparten und eine besondere Art der Sicht auf die Welt oder Gesellschaft, in der wir leben. Aus soziologischer Sicht ist Kultur immer da, ob wir wollen oder nicht. Ihre Formen sind jedoch so divers und komplex, dass wer den Begriff benutzt entweder ein Rundumschlag versucht oder eben aus Unkenntnis wieder einmal nur von sog. Hochkultur spricht.
    Bevor sich die Frage stellt, ob Kultur out sei, muss doch wohl eher eine Analyse stattfinden, was damit gemeint ist. Oder eben meines Erachtens richtiger – und damit geht einher, dass ich der Meinung bin, dass geht ja garnicht, dass Kultur out ist – eine Bestandsaufnahme erstellt werden muss, was gegenwärtig Kultur für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutet.

    Eventuell ist das Ergebnis erschreckend!? Aber dann könnte man zumindestens darüber nachdenken wie es dazu kam und wie man es zukünftig besser machen kann.

    1. Hallo Mandy,
      du hast natürlich Recht. Wir müssen uns fragen, was Kultur ist bzw. sein wird. Gerade durch das Aufkommen der Kulturpolitik und des Kulturmanagements werden neue Fragen gestellt. Ich glaube auch, dass wir uns endlich von Definitionen bzw. Trennungen wie „Hochkultur“ usw. trennen müssen. Ich glaube, dass Kultur so essentiell wichtig ist, dass man sich vor den Antworten auf die Frage was Kultur ist, nicht fürchten sollte. Wissens- und Kulturvermittlung sind Themen die die Zukunft unserer Gesellschaft maßgeblich bestimmen werden. Was bedeutet also WEB2.0 für die Kultur? Was ist user generated content – vgl. Beus und Co.?

      Vielleicht sollten wir Blogs wie diesen nutzen, um unsere Antworten zu finden und zu diskustieren.

      Beste Grüße

      Christoph

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