Wenn der Bundestag spielt…

Liebe Leser,

gestern war ich – wie angekündigt – auf dem ersten Politiker-LAN im Bundestag. Es war eine sehr interessante Veranstaltung. Ich möchte kurz auf ein paar Punkte eingehen:

1. Was war gut?

Zuallererst war es gut, dass so eine Veranstaltung überhaupt stattgefunden hat. Es ist m.E. sehr wichtig, dass Politiker die Kulturformen entdecken und verstehen, die von großen Teilen der Bevölkerung genutzt und gestaltet werden. Dies betrifft die Computerspiele genauso wie das Web 2.0

Es hat mich sehr gefreut, dass wirklich ein breites Spektrum an Spielen gezeigt wurde. So konnte man Bewegungsspiele und Autorennen ausprobieren. Es war aber auch möglich Ego-Shooter wie das neue “Homefront” zu spielen. Es ging also offensichtlich nicht darum, eine besonders nette Gamingwelt zu zeigen. Ich finde dies sehr wichtig und in meinen Seminaren tue ich das gleiche – auch wenn ich weiß, dass einige Teilnehmer bei Videos zu Spielen wie z.B. Crysis2 eher ablehnend reagieren.

Ebenfalls sehr gefreut hat mich die Tatsache, dass Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung da war und das Thema Spielsucht in die Diskussion einbrachte. Interessant war, dass dabei darauf hingewiesen wurde, dass man anscheinend bis heute weder über genaue Zahlen noch über anerkannte Parameter zur Spielsucht verfügen würde. Auf dem Spielkultur-Blog von Martin Lorber ist dazu eine sehr spannende Studie und ein Interview zu diesem Thema zu finden. Bei der Diskussion über Spielsucht kommt mir aber immer wieder ein Gedanke: Nicht nur beim Thema Computerspiele sondern auch beim Internet wird sehr oft über das Thema Sucht gesprochen. Nun ist diese Diskussion sicherlich wichtig. Aber wäre denn nicht die beste Maßnahme gegen Spielsucht das Schaffen von Informations- und Medienkompetenz? Natürlich gibt einige tolle Projekte zu diesem Thema aber reicht dies aus? Ich habe das Gefühl, dass Informations- und Medienkompetenz in der Breite der Bevölkerung kaum oder gar nicht vorhanden ist. Wenn ich mit meiner Einschätzung richtig liege, dann wäre dies ein Thema, bei dem die Politik verhältnismäßig schnell reagieren könnte.

Sehr gut fand ich auch, dass zwei “professionelle” Gamer-Teams zeigten, wie man Counter-Strike als Wettbewerb spielt. Gerade Counter-Strike wird immer wieder scharf kritisiert und die beiden Teams zeigten, dass es hier einzig und allein um einen Wettbewerb bzw. ein Spiel geht – und das dies als Gruppenevent sehr großen Spass macht.

2. Was war nicht so gut?

Enttäuschend war für mich die Tatsache, dass kaum – wenn ich es richtig gesehen habe keine! – Abgeordnete die parallel stattfindenden Vorträge der USK, der Bundeszentrale für politische Bildung, des Instituts Spielraum und der Computerspielschule Leipzig besucht haben. Hier hätten sie viele spannende Informationen bekommen können.

Leider gab es auch zu keine Independent-Entwickler vor Ort. Computerspiele sind weitaus facettenreicher als viele Menschen glauben mögen. Es wäre spannend gewesen, über den Tellerrand der großen Unternehmen hinaus zu blicken. Deshalb hätte auch das Computerspielemuseum gut gepasst. Auf diese Art und Weise hätte man mehr über die Geschichte des Kulturguts Computerspiel erfahren können.

Fazit:

Alles in allem fand ich es eine gelungene und lockere Veranstaltung. Ich hoffe sehr, dass dies der Beginn für mehr Veranstaltungen dieser Art ist und diese zu einem stärkeren Austausch mit der Politik führen. Computerspiele sind ein Kulturgut – und das Spielen von Computerpielen ist eine Kulturtechnik. Wir werden die Politik brauchen, wenn wir die damit verbundenen Möglichkeiten für die Kultur- und Wissensvermittlung aber auch für Themen wie Innovationsmanagement und Organisationsentwicklung in der Breite nutzen wollen. Ich denke PolitikerInnen können nicht nur etwas über sondern auch von Computerspielen lernen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ein Gedanke zu „Wenn der Bundestag spielt…

  1. Also ich fand die Idee im Grunde nicht verkehrt, aber ich habe auch schon an solchen Veranstaltungen teilgenommen und immer gemerkt, die Leute die sich dort zeigen und es ausprobieren sind nciht die Problemfälle, die sich nicht mit dem Thema beschäftigen. Es ist also schade, das gerade die Abgeordneten die besonders laut schreien nciht dort waren um eben mal einen Einblick zu bekommen. Es ist aber erfreulich, dass überhaupt etwas passiert und die Richtung stimmt insofern, teuteuteu das es weitergeht.

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