Wie RTL sich mit den Gamern anlegt und dabei alles falsch macht was man falsch machen kann

Liebe Leser,

heute hatte ich einen wirklich spannenden Tag. Zuerst ging es nur darum, dass ich immer noch auf meinen Grill für das Social-Media-Gaming-Barbecue warte. Immerhin ist er jetzt abholbereit – in der Filiale der Post. Ab Morgen ist es also ein richtiges Barbecue:-)

An Tagen wie diesen sitze ich im Büro und erledige meine „Büroarbeit“. Ich gebe zu, dass dies nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Ich arbeite beinahe in allen Bereichen webbasiert. D.h. ich nutze faktisch nur meinen Internetbrowser um Zugang zu Google-Mail, Google-Docs, WordPress, Facebook, Evernote, Twitter etc. zu haben. Natürlich schaut man ab und zu nach was im Web passiert und prompt wurde ich auf einen Beitrag des Fernsehsenders RTL aufmerksam gemacht. Eigentlich war es weniger der Beitrag an sich, als vielmehr die Reaktion der Community, die mich interessierte. Was war geschehen?

RTL hatte einen Beitrag über die Besucher der Gamescom veröffentlicht. In diesem Beitrag wurden Gamer als Menschen dargestellt, die in Zelten hausen, nicht auf ihre Körperhygiene achten, sich schlecht kleiden würden, Schwierigkeiten hätten einen Partner zu finden usw. Ich würde Euch gerne dieses Video hier zeigen. Leider verhindert dies RTL. Es gibt aber einen Link auf eine Seite von RTL auf der das Interview zu finden ist.

Natürlich gab es auf dieses Video eine heftige Reaktion der Gamer – und dies zu Recht. Ich möchte jetzt nicht damit beginnen, mich verbal an RTL zu rächen. Andererseits können wir von diesem Tag sehr viel lernen.

Der Beitrag von RTL war vor allem eines: journalistisch schlecht gemacht. Es wurden Behauptungen aufgestellt die nicht stimmten, es wurden Zusammenhänge hergestellt, die nicht da waren und es wurden Menschen ins Lächerliche gezogen, die Computergames spielen, welche dem Spieler m.E. weitaus mehr abverlangen als jede RTL-Sendung dies jemals tun könnte.

Es gibt auf Youtube noch viele weitere Videos, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Eine Empfehlung ist das Video der Plattform Giga.de. Dieses Video wird immer wieder von RTL gelöscht. Deshalb kann ich es hier in den Blog nicht einbauen.

Das große Problem für RTL ist aber nicht alleine der wirklich schlechte Beitrag. Viel problematischer ist das Verhalten um den Beitrag herum. RTL hat Menschen beleidigt. Man könnte sagen, dass die Gamer nicht die ersten Opfer einer Menschen verachtenden Berichterstattung sind und das RTL nicht das einzige Medienunternehmen ist, welches dies tut. RTL hat aber mit Sicherheit die Gamer unterschätzt. Denn die Gamer wehren sich massiv. Auf der Facebook-Seite der Gamescom ging es den ganzen Tag hoch her. Die Menschen waren wütend und suchten nach Wegen, etwas gegen RTL tun zu können. Ich glaube RTL kann dankbar dafür sein, dass die Social-Media-Manager der Gamescom versuchten, die Lage zu beruhigen. RTL versuchte nicht, einen Dialog zu führen – im Gegenteil. Man kämpft den ganzen Tag gegen hochgeladene Videos auf Youtube, die einen Mitschnitt des Berichtes zeigen. Sicher, aus urheberrechtlichen Gründen mag man dies tun können. Es wäre aber schlauer gewesen, sich um die Kommunikation mit den Gamern zu kümmern. Mit jedem gesperrten Video bei Youtube wurden zwei weitere Versionen von Usern hochgeladen. Man unterband auch das Video von Giga.de und erzeugte so weitere Wut. Schließlich erfolgte eine Entschuldigung die vielleicht politisch korrekt aber ohne Emotionen vorgetragen, für keine Besserung der Lage sorgte.

RTL hat es heute geschafft, sich eine sehr große und aktive Community zum Feind zu machen. Warum RTL so gehandelt hat kann ich nur erahnen. RTL ist ja selber im Geschäft mit Computerspielen aktiv. Auf ihrer Seite bieten Sie verschiedene Spiele an. Teilweise gibt es auch Spiele zu bestimmten Formaten des Senders. Warum dann ein solches Verhalten?

Ich denke es liegt daran, dass RTL weder die Kultur des Web 2.0 noch die des Gamings verstanden hat. Sie haben zwar Accounts auf Plattformen wie Facebook und sie verkaufen Spiele, aber all das hat keinen Einfluss auf ihre Arbeit und ihr Denken. Ihre Produkte sind in der Regel statisches Fernsehen. Im Fernsehen gibt es keine Interaktion, keine Möglichkeit Einfluss auf die Handlung zu nehmen etc. Menschen die fernsehen, bleiben passiv. (Ich habe nichts gegen Fernsehen – ich schaue mir ab und zu Spielfilme, Serien, Sportveranstaltungen, Dokumentationen, Debatten etc. an). RTL reagierte heute so wie sie es gelernt haben bzw. so, wie es ihre Kultur verlangt – und deshalb haben sie sich heute vor allem darum gekümmert, Dinge zu verbieten.

Was können wir daraus lernen?
Möchte ich im Bereich Gaming oder Social-Media aktiv sein, muss ich versuchen, die damit verbundene Kultur zu verstehen. Wenn ich dies nicht tue, schade ich mir und meinen Partnern. Der erste Fehler war sicherlich der eigentliche Beitrag. Anstatt mit dem Thema Gaming zu arbeiten und damit einen Dialog mit einer der größten, spannendsten und kreativsten Gruppe unserer Gesellschaft zu starten, versuchte man diese Menschen zu diskreditieren. Es fühlen sich aber nicht nur die Besucher der Gamescom angegriffen. RTL hat sich letztlich mit allen verschiedenen Gruppen aus der Welt der Computerspiele angelegt. Und dies alles passiert in einer Zeit, in der Computergames immer mehr zum direkten Konkurrenten des Fernsehens werden.

Im Laufe des Tages wollte ich etwas gegen RTL tun. Mir ging es aber um einen Weg, der nicht beleidigend ist, und der es uns Gamern ermöglicht, zu zeigen, wie kreativ wir sind bzw. was für uns Gaming bedeutet. Ich habe bei wordpress einen Blog gestartet. Es gibt dort nur einen einzigen Beitrag, in dem ich alle Interessierten bitte, zusammen nach 50 Gründen zu suchen, warum Gaming besser als Fernsehen ist. Schaut Euch die Kommentare an. Innerhalb weniger Stunden gab es hunderte Zugriffe und eine Vielzahl an spannenden Kommentaren. Es gab nicht einen Kommentar, der versuchte gegen RTL zu schießen – alle Beteiligten waren nur daran interessiert zu beweisen, dass Gaming sinnvoller ist als Fernsehen. Vielleicht schauen sich die Verantwortlichen von RTL die Kommentare auf dem Blog an. Dann können sie etwas über Gaming und die damit verbundenen Menschen erfahren.

Beste Grüße

Christoph Deeg

6 thoughts on “Wie RTL sich mit den Gamern anlegt und dabei alles falsch macht was man falsch machen kann

  1. Erst einmal danke für den Beitrag!
    Und nun…ich habe den „Bericht“ im Fernsehen gesehen und kann mich der allgemeinen Stimmung nur anschließen. Ich bin selbst Gamerin – nicht nerdig aber eben gerne mal am Spielen – und besuche gelegentlich mit meinem Liebsten (soviel zu „..finden keine Partnerin“) diverse solcher Veranstaltungen. Furchtbar unseriös und blödsinnig. Ich kenne keinen, der dem Bild entspricht, welches sie dort vermitteln wollten und ich hoffe, dass sie noch etwas mehr auf die Nase bekommen, da sie schon öfter solche Berichte (jetzt nicht nur auf die Gamer bezogen) gebracht haben, ebenso wie ProSieben und Co..
    Grüße
    eine Gamerin ;)

  2. RTL ist echt das letzte…zeigen Hartz 4 Programme wie Familie im Brennpunkt etc. Und dann schießen die wirklich den Vogel mit so einem sche** Beitrag zu Europas größter Spielemesse. Was soll das denn ??? Nicht umsonst waren 275.000 Besucher da, selbst ich war zum dritten mal dort und es war echt „geil“ :-)
    Entweder ist RTL neidisch auf den Erfolg, haben Einschaltquoten gebraucht oder sogar Aufmerksamkeit ?!…Ich hoffe nur, dass RTL nicht nur mit einem blauen Auge davon kommt. Der Witz war, RTL hat sich im Fernsehen entschuldigt…und das ganze 22 Sekunden lang zu einem 5 Minuten langen Bericht….Ich bin selber Gamer aus Leidenschaft und musste mir diese Vorurteile anhören….Da passt leider kein Vorurteil zu mir ^_^

    Vielen Dank Frank für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich stimme der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten nach der EU-DSGVO zu und akzeptiere die Datenschutzbedingungen.