Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit

Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit

Liebe Leser,

ich sitze gerade in Stuttgart im Hotel. Morgen werde ich einen weiteren Social-Media-Workshop für ein Unternehmen durchführen. Bis Ende des Jahres werde ich Berlin nur am Wochenende sehen. Dieses Jahr verläuft wirklich beeindruckend. Ich verbringe mehr Tage im Hotel als in Berlin. Es ist ein großartiges Jahr – aber es klappt nicht alles was ich mir vorgenommen habe. Eigentlich wollte ich mindestens jeden zweiten Tag bloggen. Mein Blog ist die für mich wichtigste und spannendste Plattform. Die Anzahl der Entwürfe für Blogbeiträge steigt nahezu täglich an. Aber ich möchte nicht irgendetwas schreiben. Ein Blog ist nicht Facebook oder Twitter. Auch viele meiner Kunden nehmen die Arbeit mit einem Blog sehr ernst. Während man auf Facebook oder Twitter verhältnismäßig schnell kommunizieren kann, möchte man sehr oft, dass der Blog etwas besonderes ist. Und so erlebe ich immer wieder, dass dieser Anspruch bei vielen meiner Kunden zu einem Problem wird. Sehr oft hat hat man noch Schwierigkeiten mit der Nutzung der Software und dann soll es inhaltlich auch noch besonders sein. Es enstehen also mindestens zwei Hürden. Und viele Menschen, die sich erst langsam dem Thema Social-Media nähern, haben das Gefühl, keinen richtigen Zugang zu diesem Thema zu finden. Ihre “anderen” Aufgaben oder genauer gesagt das klassische Tagesgeschäft erfordern Ihre ganze Energie und Aufmerksamkeit.

Für mich ist es ein bisschen anders. Ich bin durch meine Arbeit jeden Tag mit dem Thema Social-Media verbunden. Selbst wenn ich nicht blogge, arbeite ich an den Blogs meiner Kunden mit. Selbst wenn ich nicht twittere erlebe ich Twitter beinahe jeden Tag hautnah. Jeder Kunde steht für eine andere individuelle Social-Media-Strategie und so ist jeder Kunde bzw. jeder Tag anders – aber immer voller Social-Media und/oder Gaming. Ich bin also immer im Bereich Social-Media aktiv – auch wenn Ihr es auf meinen eigenen Plattformen nicht merkt. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber ich merke immer wieder, dass ich manchmal in meine Hotel komme und nicht mehr bloggen oder twittern möchte. In diesen Momenten ist mir eher nach einem guten analogen Gespräch bei einem guten Glas Wein – oder einem guten Computergame. Oder anders ausgedrückt: Ich blogge und twittere nicht nur für meine Community sondern auch für mich. Es macht mir Spass, ich möchte es nicht missen, aber ich möchte auch nicht aktiv sein, nur weil ich es scheinbar muss.

Unabhängig davon ist aber klar: Social-Media kostet Zeit. Wenn man mit Social-Media beginnt, kann dies kein freiwilliges Add-On sein. Es ist eine Aufgabe, die gleichberechtigt zu anderen Aufgaben angesehen werden sollte. Natürlich kann es passieren, dass man für die eine oder andere Aufgabe und für einen gewissen Zeitraum mehr oder weniger Ressourcen zur Verfügung stellt. Aber es bleibt eine gleichwertige Aufgabe. Für die meisten Institutionen und Unternehmen bedeutet dies entweder, dass man hierfür weitere Ressourcen zur Verfügung stellt oder sich von anderen Aktivitäten trennt.

An meiner Situation – über die ich mich nebenbei bemerkt sehr freue – wird sich in den nächsten Monaten nichts ändern. Im Gegenteil, es scheint als würde sich mein Leben in den kommenden Monaten nachhaltig ändern. In den nächsten Wochen werde ich einige neue Projekte vorstellen und ehrlich gesagt hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spass – und soviel Arbeit – wie in den letzten 1,5 Jahren. Aber ich werde mich trotzdem bzw. gerade aus diesem Grund auch wieder mehr um meine Social-Media-Aktivitäten insbesondere meinen Blog kümmern. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass ich mich von anderen Aufgaben trennen werde – auch darüber werde ich berichten.

Was mich aktuell interessiert ist die Frage, wie Ihr mit der manchmal mangelnden Zeit umgeht? Bloggt und twittert Ihr nur um etwas geschrieben zu haben? Und was macht Ihr, wenn für einen gewissen Zeitraum auf einem Eurer Lieblings-Blogs nichts mehr passiert? Fragt Ihr nach?

Bevor ich diesen Blogbeitrag beende, möchte ich mich noch bei Christian Henner-Fehr für die Nachfrage bezüglich meines Blogs bedanken:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

6 Replies to “Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit”

  1. ich blogge zur Zeit auch sehr wenig. Andere Dinge sind gerade wichtiger und ich moechte auch nur dann etwas schreiben, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Es wird soviel geschrieben im Internet, man kann das ja eh nicht alles lesen. Deswegen ist es gar nicht schlimm, wenn der ein oder andere Blogger auch mal zwischendurch pausiert.

  2. Hallo Herr Deeg,
    wie vereinbart probiere ich jetzt mal die Kommentarfunktion bei Ihnen aus…. Es ist beruhigend zu hören, dass die Zeit zum Bloggen auch bei Ihnen manchmal nicht da ist bzw. andere Dinge einfach wichtiger sind. Natürlich ist der Informations- oder auch Unterhaltungswert eines Artikels wichtig, irgendetwas zu schreiben, nur um den Blog zu füllen, kann auf Dauer nicht die Lösung sein!

  3. Hallo Christoph,

    wann habe ich Dir noch gleich versprochen diesen Blogbeitrag zu kommentieren? Laut Twitter war das am 4. November 2012 um kurz nach 23 Uhr. Und heute komme ich endlich dazu. Soviel zum Thema “Zeit”. Also, es gibt bei mir Momente, wo ich glaube, dass ich 48 Stunden am Tag wach, online und arbeitender Weise beschäftigt bin. Ich kümmere mich um den Facebook-Auftritt der Mediothek, mache da meine anderen Tätigkeiten, betreue eine Firma in den sozialen Netzwerken, halte Vorträge, kümmere mich um die Zukunft von Bibliotheken und versuche nebenher noch meiner Frau, meinem Hobby und meinem Wissensdurst gerecht zu werden. Das ist alles nicht ganz einfach, funktioniert bei mir derzeit aber ganz gut, weil das Umfeld stimmt. Das ist für mich ein nicht zu unterschätzender Faktor.

    Ich habe in meinem Job alle Freiheiten um mich dort zu entfalten, kann neue Technologien ausprobieren, neue Netzwerke anlegen und vieles mehr. Die Vorträge machen mir unglaublich viel Spaß, gerade wenn es etwas kontrovers mit Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren gibt. Mich mit der Zukunft von Bibliotheken zu beschäftigen kommt mit beruflich zu gute, keine Frage, aber es macht mir einfach auch eine Menge Spaß. Eigentlich geht es ja kaum perfekt als so…das private Interesse im Beruf ausleben zu können ist wohl ein Jackpot!

    Ich bin ganz stolz auf mich, dass ich es schaffe, einen Ausgleich gefunden zu haben. Für meine Frau da zu sein und etwas gemeinsames zu unternehmen ist jedes Mal wie ein kleiner Urlaub. Ebenso geht es mir mit dem Hobby. Flugzeug- und Schiffsfotografie lenkt mich ab und ist doch gleichzeitig wieder ein Teil des Ganzen. Ich trenne mein digitales Leben nicht von meinem “echten” Leben. Beides ist nämlich meine Lebensrealität. Nachmittags mit Freunden am Flughafen stehen, Kontakte knüpfen. Abend die Bilder einstellen und darüber in sozialen Netzwerken diskutieren. So sieht mein Leben aus. Ich lebe die sozialen Netze und deshalb kriege ich es, meist, auch mit der Zeiteinteilung ganz gut hin….meist!

    Schaue ich indes in meinen FlicR-Stream und nach Pinterest, merke ich….ich hinke hinterher. Mittlerweile habe ich aber eine andere Einstellung dazu. Nach und nach gönne ich mir etwas Zeit und aktualisiere meine Netzwerke. Facebook ist für mich Kommunikationsmittel Nummer 1 und ich verbinge Arbeits- und Freizeit dort. Aber eben nicht nur! Und das ist für mich wichtig. Voller Elan für den Job, der bei mir vielleicht mehr Zeit einnimmt als bei anderen Angestellten in Bibliotheken, aber genauso voller Elan ins Hobby und ins Privatleben….mein Leben ist stressig, ich muss mich organisieren…aber anders würde ich es auch gar nicht mehr haben wollen!

    Noch ein, zwei Worte zum Thema “sinnfreie Postings”. Das sehe ich ganz ähnlich wie meine Vorredner. Sowohl dienstlich als auch private hasse ich es, wenn ich solche Platzhalterposting lesen muss. Newslettereinträge haben auf Facebook nichts zu suchen und Texte im Pressemitteilungsstil auch nicht. Und Blogeinträge mit Null Info- oder Unterhaltunsgwert, kann man auch getrost weglassen. Schade finde ich auch den Verlust von Umgangsformen im Netz….ein “Hallo” am Anfang und ein “Tschüss” am Ende schaden nicht…egal wie knapp die Zeit ist 😉

    So, jetzt ist es kurz vor Mitternacht, ich habe eben noch zwei Anfragen für die Mediothek beantwortet und und drei Bilder bearbeitet….jetzt ist es Zeit fürs Bett….Gute Nacht zusammen…

    Tschüss und Gruß
    Martin

    1. Lieber Martin,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. eigentlich sprichst Du von einem sehr wichtigen Punkt: Du und ich und viele weitere Menschen arbeiten im Bereich Social-Media, weil wir Social-Media toll finden. Es macht uns großen Spass und wir vergessen darüber manchmal auch die gesunde Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Für viele Menschen, die sich in diesem Feld bewegen (sollen) ist dies aber nicht so. Im Gegenteil – für sie ist es eine Belastung. Hier einen sinnvollen Kompromiss zu finden ist denke ich eines der wichtigsten Ziele einer umfassenden Social-Media-Strategie?

      Ganz liebe Grüße

      Christoph

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