Augmented Reality – Thema des Treffpunkt Kulturmanagement

Liebe Leser,

gestern habe ich zum ersten Mal am Treffpunkt Kulturmanagement teilgenommen. Dieses Projekt bietet kostenlose Onlinemeetings zu verschiedenen Themen des Kulturmanagements. Das Ziel ist die Information und die Vernetzung interessierter Personen. Ich war sehr gespannt was mich erwarten würde, und so fand ich mich pünktlich um 09h vor meinem PC ein.

Die Macher vom Treffpunkt Kulturmanagement nutzen Acrobat Connect. Man kann also unabhängig vom eigenen Betriebssystem mitmachen. Man benötigt nur einen PC mit Internetzugang, und ein Headset. Leider war meine erste Teilnahme von technischen Problemen überschattet. Dies betraf aber nicht die Plattform sondern meine eigene Hardware. Innerhalb von zwei Minuten brachen meine zwei Headsets. Nun ist mein Kopf in den letzten zwei Wochen nicht überproportional gewachsen – es lag glaube ich eher daran, dass ich schlechte Hardware nutzte. Wie heißt es so schön? “Billig gekauft ist zweimal gekauft” – auf diesen Satz komme ich nachher noch zurück:-)

Ich nutzte also meine PC-Lautsprecher und den Rest des kaputten Headsets als Mikrophon. Ich war angemeldet und hörte und sah die einzelnen Teilnehmer. Nach einer ersten Chat-Vorstellungsrunde übergab Christian Henner-Fehr, der auch das Kulturmanagement-Blog betreibt, das Wort an Daniel Klitzsch von der Firma Augmedia. Er erklärte was Augemented Reality ist und wie man es als Kulturinstitutionen nutzen kann.

Was ist Augmented Reality?
Mit Augmented Reality (auch bekannt unter dem Namen “Erweiterte Realität”) bezeichnet man Anwendungen, mit denen die Wahrnehmung erweitert wird. Damit sind nicht Bewusstseins-erweiternde Drogen sondern computergestützte Systeme gemeint. Es können grundsätzlich alle Sinneswahrnehmungen erweitert werden. In der Realität handelt es sich aber zumeist um Erweiterungen des Visuellen. Zwei Beispiele:

1. Wenn man nachts Auto fährt, sieht man bekanntermaßen weniger als am Tag. Egal wie gut meine Scheinwerfer sind, ich kann immer nur einen Teil meines Umfeldes sehen. Eventuelle Hindernisse oder Tiere die u.U. auf die Strasse laufen könnten, werden nachts in der Regel später gesehen als am Tag. Nun können Autos z.B mit Infrarotsensoren ausgestattet werden. Die Daten, die dieses Sensoren empfangen, können auf die Windschutzscheibe eingespielt werden. Zudem können Informationen wie die eigene Geschwindigkeit oder die eventuelle Entfernung zu einem Hindernis auf die Windschutzscheibe projiziert werden. Die Wahrnehmung des Fahrers wird also erweitert.

2. Immer mehr Menschen nutzen Smartphones. Eine sehr spannende App ist wikitude. Das Prinzip ist sehr einfach. Smartphones sind u.a. über GPS ortbar. Zudem verfügen sie über einen Kompass und weitere Tools, die dafür sorgen, dass ein Smartphone “weiß” wo es ist bzw. worauf es gerichtet wird. Wenn ich nun die Kamera einschalte und sie z.B. auf ein Museum halte, werden mir weitere Informationen zu meinem aktuellen Standort eingeblendet. Dies kann z.B. ein gutes Restaurant um die Ecke oder aber Informationen über Personen, die sich in der Nähe aufhalten sein. Diese Informationen erweitern also meine visuelle Wahrnehmung.

Augmented Reality und Gaming

Für Gamer ist das Thema Augmented Reality nicht neu. Schon seit vielen Jahren nutzen die meisten Games diese Technologie. Gerade in Rennspielen, Shootern, Rollenspielen und Strategiespielen ist dies der Fall. Ich möchte hierzu drei Beispiele geben:

Das erste Video zeigt einen Teil aus dem demnächst erscheinenden Shooter “Crysis 2”. Wenn man sich den Ausschnitt ansieht, erkennt man sehr gut, dass hier Augmented Reality notwendig ist, um wichtige Informationen nutzen zu können:

Ein anderes Beispiel: Hier handelt es sich um ein Rennspiel zur Formel 1:

Ein drittes Beispiel zeigt die Vernetzung mit Smartphones und der realen Welt. Es handelt sich um das Projekt AR.Drone. Dabei wird ein echter Quadrokopter durch das IPhone gesteuert. Der Quadrokopter folgt dabei den Bewegungen des IPhones. Neben dem normalen Fliegen, gibt es auch Spiele, die auf Augemented Reality basieren:

Augmented Reality und Kulturmanagement
Natürlich wurde während des Treffpunkt Kulturmanagement auch diskutiert. Im wesentlichen ging es dabei um den Nutzen solcher Angebote. Vor allem die Frage des damit verbundenen Mehrwertes wurde immer wieder aufgeworfen.

Ich kann diese Frage sehr gut verstehen. Natürlich sollten neue Technologien nicht einfach so genutzt werden. Es ist wichtig, sich genau zu überlegen, was man machen kann, welchen Mehrwert es dabei für den Kunden und die Institution gibt und natürlich auch was es kostet. Im Laufe der Diskussion bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es nicht ausreicht, eine neue Technologie wie Augmented Reality einfach nur als neues Vermittlungsmedium zu sehen. Wenn ich z.B. in ein Museum gehe kann ich sehr oft neben einem Exponat auf einer Tafel oder ähnlichem Informationen zum jeweiligen Werk bekommen. Die meisten von Euch kennen dies sicherlich. Nun kann man Augmented Reality so nutzen, dass der Besucher sein Smartphone auf das Exponat richtet, und dann automatisch Zusatzinformationen eingespielt bekommt. Es wäre dies quasi eine moderne Variante der klassischen Informationstafel. Um sich dem Thema Augmented Reality zu nähern mag dies eine interessante Idee sein – ich glaube aber, dass dies vor allem als Spielerei ohne Nachhaltigkeit wenig vorteilhaft ist. Versteht mich bitte nicht falsch – ich halte Augmented Reality für ein absolut wichtiges Thema – nur sollten wir uns jetzt schon überlegen was man alles damit anstellen könnte. Das Finden von möglichen Nutzungsvarianten sollte nicht alleine den Firmen, die sich um die technische Entwicklung kümmern überlassen bzw. an sie übergeben werden.

Es wäre natürlich spannend zu überlegen, welche Informationen wir dem Nutzer zur Verfügung stellen wollen. Müssen dies unbedingt fertige und wissenschaftlich nachweisbare Informationen sein? Wie wäre es, wenn die Kunden selber die Informationen erstellen. Wäre es nicht spannend zu wissen, was andere Menschen über das jeweilige Exponat wissen, bzw. darüber denken? Wenn wir mittels Augemented Reality dem Betrachter eines Kunstwerkes Informationen zu den Gedanken früherer Betrachter zur Verfügung stellen, schaffen wir einen interessanten Mehrwert. Die Menschen könnten beginnen, miteinander zu kommunizieren. Zudem bestünde die Möglichkeit, die Daten und Eindrücke mit nach Hause zu nehmen. Der Besuch bzw. die Wirkung des Museums wäre also mit dem Verlassen des Ortes nicht beendet. Gleichwohl bedeutet dies auch einen Verlust der Deutungshoheit.

Ein anderes Problem könnte die Finanzierung sein. Die Nutzung von Augmented Reality kostet Geld. Dies könnte dazu führen, dass nur die Institutionen mit der Nutzung beginnen, die es sich leisten können. Aus diesem Grund halte ich es für sinnvoll, zuerst die bereits vorhandenen Tools dahingegen zu untersuchen, ob und wenn ja wie sie sich in die Arbeit der Kulturinstitution integrieren lassen. Ich möchte damit nicht vorschlagen, dass Unternehmen wie Augmedia keine Aufträge mehr bekommen, jedoch hilft es letztlich allen, wenn das Thema Augemented Reality als Ganzes angeschoben wird.

Zum Schluss möchte ich nochmal auf das Zitat “Billig gekauft ist zweimal gekauft” zurückkommen. Zum Einen habe ich mir gestern endlich ein professionelles Headset gekauft. Dank der vielen Gamercommunitys konnte ich auch das Know How vieler erfahrener Menschen zugreifen und habe mich nun für das “Siberia V2” von Steelseries entschieden. Deshalb freue ich mich auch schon auf den nächsten Treffpunkt Kulturmanagement. Dann klinge ich auch nicht mehr wie eine Live-Übertragung vom Mars:-) Zum Anderen denke ich, dass dieser Satz auch für Kulturinstitutionen gilt. Ich meine damit nicht, dass man sich jetzt nur noch teure Produkte anschaffen soll. Ich beziehe mich eher auf das Thema Zeit. Auch Zeit ist eine sehr kostbare Ressource. Und ich denke wir sollten uns die Zeit nehmen, und überlegen und experimentieren. Augmented Reality ist ein sehr spannendes Zukunftsthema. Kulturinstitutionen können dieses Tool aktiv gestalten. Sie können sich neue spannende Nutzungsmöglichkeiten ausdenken. Das wird – zumindest aus Sicht des Zeitfaktors – nicht gerade billig. Aber es können dann Angebote entstehen, die mehr sind als einen Adaption dessen, was schon vorhanden ist.

Übrigens: wer gestern nicht dabei sein konnte braucht sich nicht zu grämen – die gesamte Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Man kann sie hier nochmal erleben – inkl. meiner Sprachübertragung die doch stark an den alten CB-Funk erinnert.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ein Gedanke zu „Augmented Reality – Thema des Treffpunkt Kulturmanagement

  1. Ich traue mich hier fast gar nicht einen Kommentar zu posten, da ich Christoph wiedermal nur zustimmen kann (obwohl ich eigentlich der Typ bin, der lieber widerspricht). Auch ich verfolge seit einiger Zeit das Thema AR (und AR Games) und meine, dass das wirklich ein absolut spanendes Thema ist. Jedoch hat mich bei dem Vortrag der Firma Augmedia etwas gewurmt, dass hier (wie so oft) vor allem betont wurde, dass AR ein „Hype“ ist bzw. wird und dass man schon deshalb mitmachen MUSS. Nicht jeder Hype, auf den gerade alle abfahren ist für den Kulturbetrieb geeignet. Auch Fastfood ist bzw. war ein Hype, trotzdem hat kein Museum sein Cafe an McDonalds verpachtet. Man sollte also m. E. immer erst prüfen, was eine solche Technologie für die Ziele der Kultureinrichtung, (also z. B. Kunst – Kulturvermittlung) bringen kann – und dann zuschlagen.

    Und noch was: das A von AR sollte wirklich ernst genommen werden! Vieles im Bereich AR ist für mich nur Spielereien, echte „Anreicherung“ gibt es selten. Ein gutes Beispiel im Kulturbereich ist das für ein Museum entwickelte AR Spiele MARQ der TU Graz (http://studierstube.icg.tu-graz.ac.at/handheld_ar/marq.php) Und auch die von Christoph angeführten Beispiele sind spannend, vielen Dank für die Zusammenstellung!

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