Die große Kulturkrise?

Liebe Leser,

in den letzten Wochen wurde sehr viel über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Kultur gesprochen. Wie ein Lauffeuer verbreiten sich Gerüchte und Mutmaßungen die in der Theorie gipfeln, dass durch Kürzungen im im Kultursektor die Kultur an sich in Frage gestellt werde. Gleichzeitig wird wo immer es geht darüber nachgedacht, wie man auf diese neue Situation reagieren soll bzw. kann. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin ebenfalls der festen Überzeugung, dass die Kulturetats nachhaltig und massiv erhöht werden sollten und das Kürzungen in diesem Bereich der völlig falsche Weg sind. Mir ist zudem klar, dass viele Kulturschaffende am Existenzminimum leben müssen und das es nicht sein kann, dass Kulturarbeit immer wieder Selbstausbeutung bedeutet.

Trotzdem wundert mich die aktuelle Diskussion. Bis jetzt habe ich kein neues Argument gehört. Die Kürzungen im Kultursektor sind nichts Neues, sondern begleiten die Kultur seit Jahrzehnten. Und ich frage mich, ob die Probleme der Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden wirklich durch neue Finanzmittel gelöst werden. Kann es sein, dass wir hier eine Diskussion führen, die uns gar nicht weiterbringt? Bedeutet Kulturpolitik vor allem Lobbyarbeit zu leisten? Sollte es nicht vielmehr um die Frage gehen, welche inhaltlichen Neuerungen Kultur leisten kann? Anders ausgedrückt: Sollten wir nicht auch darüber nachdenken, warum kulturelle Angebote einen scheinbar so geringen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben, dass Kürzungen in diesem Segment immer noch verhältnismäßig geräuschlos über die Bühne gehen? Ist die Kultur an sich in der Gesellschaft verankert? Und wenn ja, warum ist der Protest gegen diese Kürzungen dann so gering?

Und wenn Kultur einen Einfluss auf eine Gesellschaft hat, muss sich dann Kultur nicht auch fragen, was schief gelaufen ist, dass es solche Exzesse wie die Finanzspekulationen gibt? Ich möchte auf keinen Fall eine instrumentalisierte Kultur die wie ein Erzieher die Bevölkerung Gut und Böse lehrt, aber müssen wir uns nicht fragen, ob die Argumente die wir haben Kultur zu fördern so wirklich stimmen? Was ist mit dem Kulturmanagement? Wäre nicht auch hier zu überlegen, inwieweit Kulturmanagement weiter- oder neuentwickelt werden muss?

Ich stelle diese Fragen, weil ich auf sie keine Antworten habe. Die Themen sind komplex und die Ansichten und Herangehensweisen sehr heterogen. Ich glaube jedoch, dass wir die aktuelle Situation nutzen sollten um zu überlegen wie Kultur in Zukunft funktionieren und natürlich auch finanziert werden kann.

Christoph Deeg

Ich habe mit dem Schreiben dieses Posts vor ein paar Tagen begonnen. Zwischenzeitlich habe ich einen dazu passenden Artikel auf dem Blog von Christian Henner-Fehr gefunden.

2 Gedanken zu „Die große Kulturkrise?

    1. Lieber Christian,

      zuerst bitte ich Dich hiermit um Entschuldigung für die verspätete Antwort entschuldigen. Ich bin das Opfer der Realität geworden, sprich ich hatte in den letzten Wochen so unendlich viel zu tun – mit Projekten und Blogbeiträgen bei der Zukunftswerkstatt – dass ich es nicht geschafft habe. Dies ist übrigens etwas, was was ich bei vielen Menschen beobachten kann. Es gibt Zeiten, da kommt man einfach nicht zum bloggen…

      Aber nun zur Kulturpolitik. Nach meinen Beobachtungen gibt es im wesentlichen zwei Arten von Kulturpolitik. Zum einen ist das die Lobbypolitik. Bedingt durch kontinuierlich knappe Kassen der öffentlichen Hand bzw. einer Konzentration auf andere Aufgaben als die Kultur war und ist es notwendig, dass es eine starke Lobby für die Kultur in Deutschland gibt. Der Kulturrat ist hier sicherlich nicht die einzige aber die bedeutendste Institution. Zum Anderen gibt es die Netzwerke allen voran die Kulturpolitische Gesellschaft, in der sich Kulturschaffende und -verantwortliche treffen, austauschen und vernetzen. Dieses System scheint eher nach innen gerichtet zu sein und bietet u.a eine Plattform für Diskussionen und Konferenzen.

      Leider fehlt meiner Meinung nach der Kulturpolitik die Bereitschaft zum aktiven Gestalten – sowohl nach innen als auch nach aussen. Es wird zu sehr an einem wahrscheinlich so nie vorhanden gewesenen Staus quo festgehalten sowohl strukturell als auch inhaltlich. Natürlich gibt es Ausnahmen. Die Definition von Computergames als Kulturgut durch den Kulturrat ist so eine interessante Aktion. Allerdings geht es nun scheinbar in diesem Thema nicht weiter. Noch viel weniger wirkt die Kulturpolitik nach innen. Hier gibt es allerdings einen großen Nachholbedarf. Meiner Meinung nach sollten wir überlegen, inwieweit wir eine neue Generation von „Kulturpolitischen Kulturmanagern“ brauchen. Themen wie das Web 2.0 oder Computergames werden so oder so einen immer größeren Einfluss auf die Kultur- und Wissensvermittlung haben. Nun gilt es, die Kulturinstitutionen fit für diese Zukunft zu machen…

      Ganz liebe Grüße

      Christoph

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