Enter Africa – Teil 6 – Gaming und Gamification im Kontext der partizipativen Stadtentwicklung

Liebe Leser,

es ist wieder Zeit für ein kleines Update zu meinem großen Afrika Abenteuer – Gaming und Gamification im Kontext der partizipativen Stadtentwicklung. Gestern waren wir in der Stadt. Es ging darum verschiedene Orte zu besuchen und zu analysieren. Da die Stadt Addis Abeba sehr groß ist, haben wir uns überlegt, die einzelnen Aufgaben bzw. Orte in Cluster einzuteilen. In unserem Spiel soll es um das Thema Verkehr gehen. deshalb ist es wichtig ein bisschen mehr über Addis Abeba und Verkehr zu erzählen. Wie bereits erwähnt, verändert sich die Stadt sehr schnell. Sie wird wahrscheinlich zu einer der neuen Megacities. Auch wenn ich viele Jahre in Berlin gewohnt habe, habe ich noch nie eine Stadt gesehen, die derart viele Baustellen hat. Es kommt einem gerade so vor, als würde diese Stadt im Zeitraffer entstehen. Dies bedeutet eine sehr große Herausforderung für die Verkehrsinfrastruktur. Anders ausgedrückt: die Straßen und Verkehrswege können die Masse an Menschen kaum noch aushalten.

Nun ist das Verkehrssystem hier ein bisschen anders als in Deutschland. Besonders auffällig ist das Vorhandensein einer fast unendlichen Menge an Kleinbussen, mit denen die Menschen von einem Ort zum anderen fahren. Zusätzlich gibt es eine große Zahl an Autos. Weiterhin gibt es die Besonderheit, dass tausende von Menschen schlichtweg zu Fuß gehen. Das alles sorgt für einige Herausforderungen. Der Zustand der Straßen und der meisten Autos ist sehr schwierig. Es gibt kein klares Verkehrssystem im Sinne von klaren Abfahrtszeiten der Kleinbusse. Das bedeutet, dass die Menschen manchmal sehr lange auf Ihren nächsten  Bus warten müssen. So entstehen des Öfteren sehr lange Warteschlangen.

In Gesprächen mit Äthiopiern habe ich eine interessante Theorie gehört. Ihrer Meinung nach ist es so, dass die äthiopische Bevölkerung in der Breite noch immer als Fußgänger agiert. Und wenn sie dann auf das Auto umsteigen,  würden sie dieselben Mechanismen anwenden. Somit entsteht für uns auf den Straßen jedes Mal ein großes Chaos.

Was mich an diesem Thema besonders interessiert ist die Frage, wo die großen Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten zwischen Städten wie Addis Abeba und z.B. Städten in Europa liegen. Dann auch in Europa diskutieren wir überall über die Probleme mit dem Verkehr. Auch die deutschen Städte sind völlig verstopft. Im Detail mag der Verkehr anders aussehen, aber letztlich haben wir das selbe Problem. Aus diesem Grund finde ich dieses Projekt auch so spannend. Wenn wir über die Zukunft afrikanischer Städte nachdenken, dann diskutieren wir letztlich gesehen auch immer die Zukunft unserer eigenen Städte. Zum jetzigen Stand ist es so dass alle Themen die im Zuge der Workshops aufkamen auch in Europa zu finden sind. So geht es um Verkehr, Müll, Mobilität, Infrastruktur, Gesundheitswesen usw. Das bedeutet unser Ansatz, sich diesem Thema auch mittels Spiekl zu nähern ist kein Ansatz der nur in Afrika funktioniert. Ich glaube vielmehr dass wir es hier mit einem Ansatz zu tun haben, der sich auch in Europa und allen anderen Kontinenten umsetzen lässt.

Kommen wir nun zurück zu unserem Projekt in Addis. Nachdem wir die fünf Orte,  die wir im Rahmen dieser Workshop Woche herstellen wollen, besucht haben, sind wir zurück ins Goethe-Institut gefahren. Dort haben wir uns zuerst mit der Frage beschäftigt, welches unsere Kernzielgruppe sein soll. Wir haben uns dann entschieden, dass wir die Gruppe der Personen als Kernzielgruppe sehen, die in den Schlangen auf ihren Kleinbus warten. Das bedeutet nicht, dass das Spiel für andere Gruppen irrelevant ist oder wir es Ihnen gar nicht erst ermöglichen wollen, dieses Spiel zu spielen. Aber die Fokussierung auf diese Gruppe bringt ein paar besondere Funktionalitäten mit sich. So dauert das Warten auf dem kleinen Bus der Regel zwischen 5 und 20 Minuten. Zudem können die Spieler die Schlange nicht verlassen, denn dann würden sie den Zugang zu ihrem Bus verlieren. Dies stellt eine besondere Herausforderung an das Gamedesign da. Später werden wir auch Orte mit einbauen, zu denen man hingehen muss. Aber jetzt kümmern wir uns erstmal um die Funktionalitäten der Kernzielgruppe. Daran anschließend haben wir uns um die Frage der grundsätzlichen Story gekümmert. Hier ist es besonders wichtig, dass man die regionalen bzw. kulturellen Aspekte berücksichtigt. Wir haben uns für eine Mischung aus einer alten äthiopischen Geschichte und einer neuen Idee für die Zukunft entschieden. Näheres werde ich später berichten.

Am Abend waren wir alle müde. Nachdem ich noch zwei Stunden mit der Nachbearbeitung beschäftigt war, sind wir mit einer kleinen Gruppe ins Kino gegangen. Der Film „Black Panther“ war eine sehr interessante Erfahrung. Denn es ist eine Geschichte, die mehr oder weniger nur in Afrika spielt. Zusehen wie Hollywood versucht das Thema Afrika in Stereotypen zu packen und daraus eine Geschichte zu machen war sehr faszinierend. Die Gruppe wollte unbedingt wissen wie ich den Film wahrgenommen habe. Und seitdem diskutieren wir sehr intensiv über die Frage, wie Afrika in der Welt eigentlich wahrgenommen wird. In meinem nächsten Beitrag wird es dann um den letzten Tag gehen, bei dem wir das eigentliche Spiel bzw. dessen Basis entwickelt haben.

Beste Grüße

 

Christoph Deeg

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