Warum ich nicht zur Re:Publica komme – aber gerne würde:-)

Warum ich nicht zur Re:Publica komme – aber gerne würde:-)

Liebe Leser,

es ist Montag der 08.05.2017. In Berlin startet die Re:Publica und ich werde nicht mit dabei sein. Wer jetzt einen Beitrag erwartet, bei dem ich diese Konferenz oder die Netzgemeinde oder wen auch immer kritisiere und erkläre, dass es keinen Sinn macht, nach Berlin zu kommen etc., den werde ich leider enttäuschen müssen. Ich wäre sehr gerne nach Berlin gekommen – jedoch bin ich beruflich in zwei Projekte eingespannt und diese Woche wieder viel unterwegs.

Heute geht es nach Heidenheim. Dort berate und begleite ich die dortige Stadtbibliothek bei der Entwicklung und Realisierung einer digital-analogen Bibliotheksstrategie. Ich arbeite schon seit über sieben Jahren u.a. im Kontext der Zukunft der Bibliotheken und habe den digitalen Transformationsprozess quasi von Beginn an miterleben können. Bibliotheken spielen bei der Entwicklung einer digitalen Gesellschaft eine große Rolle. Sie stecken selber in einem umfassenden und tiefgreifenden Transformationsprozess. Nahezu alle Bereich und Aufgaben einer Bibliothek werden durch die Digitalisierung neu definiert. Dies betrifft nicht nur digitale Angebote, sondern ebenso den analogen Raum. Der physischen Bestände einer Bibliothek verlieren zunehmend an Bedeutung. Es entstehen multioptionale Lern- und Kulturräume. Bibliotheken erleben den Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung. Und dieser Wandel ist nicht einfach. Es geht also nicht darum, ein bisschen was im Bereich Social Media zu machen und eBooks anzubieten. Im Kontext digital-analoger Lebensrealitäten und tiefgreifender gesellschaftlicher Wandlungsprozesse, müssen Bibliotheken ihre Rolle neu definieren. Und in dieser Rolle sind z.B. Bücher nur ein Medium unter vielen, auch wenn Bibliotheken gerade hier einen besonderen Kulturraum geschaffen haben.

Die große Herausforderung ist dabei die Tatsache, dass wir heute nicht sagen können, wie genau Bibliotheken in 10 Jahren aussehen werden. Die Bibliothek muss also die Möglichkeit bekommen, als multioptionaler Erfahrungsraum zu agieren und das stellt die meisten Bibliotheksstrategien komplett auf den Kopf. Und es hat einen Einfluss auf die Bibliothek als Ort. Auch in diesem Punkt muss nach neuen Wegen und Konzepten gesucht werden, die nicht nur ein nettes Design ergeben und nicht nur aus dem Anschaffen von Technologien wie 3D-Druckern bestehen. Denn so wie ein Buch ohne Kontext wenig sinnvoll ist, verhält es sich auch mit Technologien. Und so bin ich auch in die Planung der Bibliotheksgebäude involviert. Am vergangenen Samstag wurde die neue Mediathek in Ingelheim eingeweiht. Hier durfte ich die komplette Strategieentwicklung inkl. digital-analoger Ansätze für den Neubau begleiten. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Theorie dann Wirklichkeit in Form von realen Gebäuden und Angeboten wird.

Morgen geht es dann nach Madrid. Für das dortige Goethe-Institut veranstalte ich einen Workshop für Schüler zur Entwicklung eines local-based-games. Dieser Workshop ist Teil meiner „Mission“, überall auf der Welt Menschen zu aktivieren und zu beraten, wie man Gaming und Gamification nutzen kann, um zu Lernen, sich zu Vernetzen und seine eigene Zukunft zu verändern. Diese Mission hat mich schon nach Zentralasien, Äthiopien, Mexiko, Österreich, Schweiz und natürlich an verschiedene Orte in Deutschland gebracht – und nun kommt Madrid hinzu. Diese Arbeit macht sehr großen Spass. Es geht dabei nicht im die Entwicklung kommerzieller Spiele oder Plattformen. Es sind keine Auftragsproduktionen im klassischen Sinne. Ich nutze Games und Gamification für verschiedene Zielsetzungen und nicht ich, sondern die Teams vor Ort entwickeln mit meiner Hilfe die verschiedenen Spiele. Ich bin sehr dankbar, dass ich einen Teil „meines“ Teams aus Äthiopien im Sommer nach Deutschland holen kann, um sie weiter auszubilden und um unser Netzwerk in Afrika auszubauen.

Ihr seht, ich habe gute Gründe nicht an der #rp17 teilzunehmen – und doch bin ich auch ein bisschen traurig, dass ich all die Kollegen und Freunde dieses Mal nicht sehen werde. Ich hoffe Ihr könnt diese großartige Konferenz genießen – habt Spass und berichtet mir bitte später:-)

 

Beste Grüße

 

Christoph Deeg

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