Das Local-Based-Gaming-Mexiko-Projekt – Teil 8. – Denken in Ressourcen

Liebe Leser,

ich sitze wieder beim Frühstück in Mexiko-City. Vor mir steht ein Rührei “Mexicana” – das bedeutet, es besteht aus Ei, Tomate, Zwiebeln und Chili. Dazu gibt es Bohnenmus und Brot – ein guter Tag:-)

Gestern haben wir uns zwei weitere Bibliotheken angesehen bzw. zwei weitere Bibliotheken analysiert. Und ich muss zugeben: ich kennen keine Stadt auf diesem gesamten Planeten, die eine so hohe Zahl an unglaublich spannenden Bibliotheken aufweisen kann. Sie sind sehr unterschiedlich, sowohl hinsichtlich ihres Designs als auch hinsichtlich ihrer Aufgaben. Aber es ist wirklich beeindruckend. Besonders beeindruckt hat mich eine Bibliothek in einem sozialen Brennpunkt – was dann übrigens wirklich Brennpunkt meint. Hier hat man quasi ein soziokulturelles Bibliothekszentrum entwickelt. Ein Highlight war der Makerspace, in dem nicht etwa ein gekaufter 3D-Drucker stand. Man hat sich hier einfach selber einen kompletten 3D-Drucker gebaut. Es gibt in vielen Bibliotheken eigene Radiostationen und sowohl das Lesen von Büchern als auch die Contenterstellung z.B. von Schreibwerkstätten gehören zum Standard.

Die Analyse der Bibliothek im Kontext des Spiels ist ein komplexer Prozess. Es gibt viele verschiedene Ebenen zu beleuchten:

  • Wie sind die Räumlichkeiten beschaffen? Gibt es Bereiche, die nicht frei zugänglich sind? Welche Blickwinkel werden ermöglicht? Wie sieht die Akustik aus?
  • Welche Medien sind vorhanden? Dies bezieht sich auf analoge und digitale Medien. Gibt es Bestände, die nur temporär zugänglich sind? Wie funktioniert der Bibliothekskatalog? Gibt es freie Regalflächen?
  • Gibt es Besonderheiten wie z.B. einen speziellen Bestand für Blinde?
  • Welche Geschichte hat die Bibliothek und ihr Umfeld?
  • Welche Personen arbeiten in der Bibliothek?
  • Gibt es Wifi?
  • Wie kommt man zur Bibliothek? Gibt es in der Nähe einen ÖPNV?
  • Was erwartet sich die Bibliothek von der Teilnahme an dem Spiel?
  • Hat man Erfahrungen in der Implementierung digital-analoger Angebote?
  • Verfügt die Bibliothek über eigene Social-Media-Kanäle?
  • etc.

Es sind wirklich viele Punkte, die analysiert werden müssen, damit das Spiel nachher funktioniert. Heute werden wir alle gesammelten Daten aus allen Bibliotheken zusammenfügen und zudem die rudimentäre Story festlegen. Der Wunsch ist, dass es ein Krimi mit Fantasy-Elementen wird. Ich habe festgestellt, dass es hier eine sehr starke Bindung zum gedruckten Buch gibt und diese Bindung werde ich für das Spiel nutzen. Dabei hilft es, dass ich sehr viele verschiedene Bücher, Filme und Spiele aus verschiedenen Kulturen ausprobiert habe. Dieses Repertoire hilft bei der Entwicklung der Story.

Beste Grüße

 

Christoph Deeg

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