Das local-based-gaming-Mexiko-Projekt – Teil 1.

Das local-based-gaming-Mexiko-Projekt – Teil 1.

Liebe Leser,

ich befinde mich gerade in Mexiko-City. In den nächsten Tagen werde ich hier für das Goethe-Institut ein local-based-game entwickeln. Dieses Projekt ist der Anfang einer Reihe von Projekten in diesem Kontext. Angefangen hat alles mit dem immer noch stattfindenden Projekt in Äthiopien. Ich werde dazu auch noch einiges schreiben, die dortige Sicherheitslage ermöglichte aber leider keine “Live-Berichterstattung”. Da das Projekt weitergehen wird, habe ich noch genügend Zeit, auch darüber zu berichten. Das Mexiko-Projekt ist auf fünf Monate angelegt, d.h. ich werde öfters nach Mexiko reisen und daran arbeiten. Neben Äthiopien und Mexiko kommen dann noch Spanien, Österreich und weitere Projekte in Deutschland dazu.

Allen diesen Projekten gemein ist ein Ansatz, welchen ich in dem Projekt für das Goethe-Institut in Kasachstan (in Zusammenarbeit mit der Pausanio GmbH) entwickelt habe. Dort wurde eine eigene App gebaut – in diesen Projekten wird eine vorhandene App genutzt. Es handelt sich um die App der Firma Espoto aus Potsdam/Berlin. Ich kenne das Team von Espoto schon länger und die App und deren Weiterentwicklung machen sehr großen Spass. Man bekommt eine komplette Software inkl. eines CMS-Systems, welches es jedem Menschen auf einfache Art und Weise ermöglicht, Inhalte einzugeben – man braucht dafür keine Programmierkenntnisse. Und so kann man mit solchen Apps sehr schnell eigene Inhalte erstellen. In Games und letztlich in allen Bereichen digital-analoger Lebensrealitäten sollte es nicht um Technologie, sondern um Inhalte gehen:-)

In diesen Projekten bin ich aber nicht der klassische “Game-Designer”, der das Spiel entwickelt und umsetzt. Ich arbeite immer mit Teams vor Ort zusammen. Es sind keine Games-Experten, aber Menschen mit Inhalten und Ideen. Ich bin quasi der Mentor dieser Gruppen und somit wird das Entstehen von Black-Boxes verhindert. Und: die Teilnehmer kennen ihre Orte und deren Inhalte und Kultur in der Regel besser als ich. Solche Projekte ermöglichen es den Teilnehmern, nicht nur Game-Design bzw. Gamification-Design zu erlernen. Sie lernen auch, wie sie dieses Werkzeuge nutzen können, um ihre Lebensrealität zu verbessern und/oder zu vermitteln. Natürlich werden die Teilnehmer nicht zu fertigen Experten. Aber zusammen bauen wir Spiele und diese Spiele können auch nach dem Projekt vor Ort weiterentwickelt werden…

Gestern habe ich mir nun zuerst Mexiko-Stadt angesehen. Ich war noch etwas k.o. vom Flug und ich merke den Jetlag. Aber ich hatte Zeit, Tourist zu spielen:-) Ich habe einen dieser Busse genommen, die Touristenrouten abfahren und auf die man immer wieder einsteigen kann. Der Fahrer war etwas verwundert, dass ich keine Kopfhörer haben wollte im die dazugehörigen Informationen zu bekommen. Aber ich wollte die Stadt “erfühlen”. Wie sind die Abläufe? Was sind temporäre und was feste Ressourcen für ein local-based-game? Wie sind die Entfernungen? Wie ist die Sicherheitslage? Wie reagieren die Menschen? Was sind die Besonderheiten der jeweiligen Viertel? Alle diese Punkte sind sehr wichtig, denn sie definieren, was ich mit den Teilnehmern umsetzen kann und was nicht.

Dieser Einstieg fehlt bei vielen Gamification-Projekten. Man vergisst zu oft, dass man zuerst die Rahmenbedingungen schaffen muss, in denen spielerische Aktivitäten funktionieren.

Abends gab es dann noch sehr gutes mexikanisches Essen – ich habe ein bisschen mit Schärfe experimentiert:-)

So, nun muss ich los. Gleich treffe ich mein “Gaming-Team Mexiko”. Ich bin sehr gespannt! Es werden dieses mal Bibliotheken sein, mit denen ich zusammenarbeiten werde. Und da sind einige ganz besondere Orte mit dabei….

Beste Grüße

 

Christoph Deeg

5 Replies to “Das local-based-gaming-Mexiko-Projekt – Teil 1.”

  1. Ich finde es cool, wo Du überall herumkommst, danke, dass Du immer darüber berichtest. Was mich interessiert: welche Ziele werden mit diesen gemeinsam entwickelten Spielen verfolgt? Bzw. was ist die Intention des Goethe-Instituts?

    1. Lieber Christian,

      vielen Dank für das Kompliment:-) Also die Zielsetzungen sind sehr unterschiedlich. In Kasachstan geht es darum, Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Thema grüner Energien zusammen zu bringen. Dort findet die Expo statt und das Spiel schafft einen fiktiven Raum, in dem die Nutzung verschiedener Energien in der Stadt “gespielt” werden. Es ist kein belehrendes Spiel, sondern ein Spiel, in dem die verschiedenen Optionen erfahrbar gemacht werden. Also ist es awarness-budilding bzw. capacity-building. In Äthiopien geht es darum, die Spieler und die Spielentwickler dazu zu bringen, über die Zukunft ihrer Stadt nachzudenken. Also wie soll die Stadt aussehen? Was braucht man? Welche Gesellschaft werden wir haben? etc. In Mexiko geht es um ein Abenteuer (die Story wird diese Woche ausgearbeitet) welches in den Bibliotheken der Stadt und weiteren Orten stattfindet. Es ist ein Teil des Programmes zum Deutschlandjahr. Es soll die Bibliotheken in die Lage versetzen, neue Zielgruppen anzusprechen und ihre eigene Arbeit zu verbessern, in dem man sich z.B. mit Game-Design als Funktion der Kulturvermittlung beschäftigt. In Braunschweig werde ich mit Flüchtlingen zusammenarbeiten. Hier geht es u.a. darum, dass die Flüchtlinge die Region kennenlernen und es zu einem Kulturaustausch auf Augenhöhe kommt. Hannover ist ein Kulturprojekt, bei dem die Spieler in die Rolle von ehemaligen Insassen des Gefängnisses schlüpfen. In Dornbirn ist es ein Projekt der Bibliothek, um Kids Game-Design als Bildungstool näher zu bringen. Hilft Dir das weiter?

      Ganz liebe Grü0e

      Christoph

    1. Alles klar verstehe – ich kann Dir bei dem Spiel in Österreich mal einen Testaccount anbieten oder Du kommst nach Dorbirn:-) Aber was mir wichtig ist: in diesen Projekten ist der Weg das Ziel. Es geht darum, mit anderen Menschen “ihr” Spiel mit ihren Themen zu bauen. Also nehmen wir als Beispiel ein Museum: hier würde ich nicht das Spiel “produzieren”, sondern mit den Besuchern/Kunden zusammen ein Spiel entwickeln. D.h. die Vermittlung von Inhalten fängt schon im Entstehungsprozess an. Das ist das, was ich an diesen Projekten so spannend finde – Du verstehst?

Kommentar verfassen

IMPRESSUM