Können kleine Bibliotheken die große digitale Welt gestalten?

Liebe Leser,

am 09.02.2015 habe ich einen besonders spannenden und zugleich schönen Tag erlebt. In der Stadtbibliothek Essen trafen sich vier kleine Verbünde von sehr kleinen Bibliotheken, die jeweils gemeinsam mit der Reise in das Social Web gestartet sind. Das Ganze ist ein Teilprojekt des Projektes “Lernort Bibliothek” des Landes Nordrhein-Westfalen. Diese vier Verbünde (eigentlich waren es fünf, aber leider konnte eine Gruppe nicht kommen) hatten zwei Jahre Zeit, sich dem Thema Digitale Bibliothekswelt zu nähern – und ich durfte sie dabei beraten und begleiten.

Das Projekt war ein Prototyp. In den letzten Jahren habe ich viele solcher Projekte durchgeführt, bei denen man grundsätzliche neue Wege der Nutzung von Sozialen Medien durch Unternehmen und Institutionen ausprobiert. Das Besondere war in diesem Fall die Idee, dass die sehr kleinen Institutionen (teilweise hatten sie nur 1,5 Stellen) gemeinsam eine Facebook-Seite betreiben. Es ging also nicht mehr um die Idee, dass jede Institution auf sich fokussiert versucht, im Social Web erfolgreich zu sein. Diese Herangehensweise hatte viele Vorteile:

  • Die Institutionen bildeten ein Netzwerk in der analogen Welt
  • Es bestand schon zu Beginn die Möglichkeit, über die regionalen und strukturellen Begrenzungen der eigenen Institution in einem Netzwerk zu agieren
  • Durch die teilweise unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen der Institutionen entstand ein viel größeres inhaltliches Spektrum
  • Durch die verschiedenen Sichtweisen auf Themen und Angebote, konnten Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden
  • Das vernetzte Arbeiten, vernetzt gerade in kleinen Organisationen nicht mehr nur die Leitungsebenen untereinander, sondern auch die einzelnen Teammitglieder
  • Aufgaben konnten auf mehrere Schultern verteilt werden

Natürlich gab es dabei einige Hürden zu nehmen. Wie sorgt man dafür, dass sich die einzelnen Institutionen auf der Seite wiederfinden? Wie sorgt man dafür, dass die Kunden verstehen, um was es geht? Und was soll dann der Mehrwert der Seite sein?

Diese zwei Jahre waren eine beeindruckende Zeit. Ich habe sehr viel lernen dürfen. Es ging in meiner Arbeit weniger um das reine Vermitteln von Social-Media-Know-How. Es ging ebenso um die Beratung und Begleitung in einem Wandlungsprozess, der die ganze Bibliothek betrifft. Das wesentliche Erfolgskriterium ist in solchen Prozessen nicht Social-Media-Know-How, denn das kann man lernen. Viel wichtiger ist die Bereitschaft und Fähigkeit zu einem Denken und Arbeiten in Netzwerken. Dies betrifft nicht nur die Leitungsebene sondern ebenso die gesamten Teams.

 

Die beiden Videos, die Ihr hier sehen könnt, sind Teil einer kleinen Kampagne, mit der wir seit dem 01.01.2015 und bis Mitte April das Projekt bekannt machen möchten. Dabei sammeln wir u.a. Grußbotschaften für die die Bibliotheksverbünde, die ja nun quasi zweijährigen Geburtstag feiern:-)

Auf der Facebook-Seite der Fachsstelle für öffentliche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen und auf dem Blog der Fachstelle werden in den nächsten Tagen noch viele weitere Informationen zu finden zu sein.

Die Erkenntnisse und Erfahrungen sind nicht nur im Bereich der Bibliotheken nutzbar. Diese Herangehensweise eignet sich vielmehr für alle kleinen Institutionen, die mit dem Weg in die digitale Welt beginnen wollen, es aber alleine nicht schaffen können. Noch spannender wäre sicherlich ein interdisziplinärer Ansatz. So könnten sich z.B. Museen, Bibliotheken und Archive zusammenschließen und einen eigenen kleinen Verbund bilden. Wer dazu Fragen hat kann mich immer gerne kontaktieren.

Einen Überblick über die teilnehmenden Verbünde könnt Ihr hier hinter diesem Link finden.

Beste Grüße

Christoph Deeg

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