Kater Perow und die Gedanken zu Social-Media

Kater Perow und die Gedanken zu Social-Media

Liebe Leser,

diejenigen von Euch, die mich schon ein bisschen besser kennen wissen: ich bin sehr gerne in Kroatien. Im Urlaub bin ich in der Regel nicht online und habe sogar zumeist gar kein Handy bei mir. Und doch wird man immer wieder mit Themen Social-Media konfrontiert. Dies passiert weniger, weil es überall einen freien Zugang zum Internet gibt – nur in Deutschland befinden wir uns diesbezüglich noch eher im Mittelalter. Es ist vielmehr so, dass ich mir Dinge, Menschen, Institutionen etc. ansehe und meine Beobachtungen in die Social-Media- und Gaming-Welt adaptiere. Über einen dieser Gedankengänge möchte ich heute schreiben.

Mein „Partner in Crime“ in Kroatien ist Perow. Er ist für mich der spannendste Kater, den ich seit langem kennenlernen durfte. Ich kenne ihn schon seit drei Jahren, und es brauchte auch diese drei Jahre bis wir Freunde wurden. Perow ist ein besonderes Tier. Zum Einen sieht er toll aus. Er ist gut trainiert, hat eine schöne Zeichnung und er ist wohl der Meinung, dass der Ort an dem er lebt auch ihm gehört. Wie die meisten Katzen hat er einen ausgeprägten Jagdtrieb. Aber auch hier ist er besonders. Perow jagt natürlich die Tiere die alle Katze jagen: Mäuse, Vögel etc. Seine besondere Aufmerksamkeit widmet er allerdings dem jagen von Schlangen. Ich meine damit nicht irgendwelche Blindschleichen. Perow jagt richtig ausgewachsene Schlangen. Er liebt es glaube ich gefährlich.

Wie gesagt habe ich drei Jahre gebraucht, um eine etwas engere Bindung zu ihm aufzubauen. Streicheln etc. ging immer aber er hat es einfach nicht nötig, mit den Gästen des Hauses zu kommunizieren. Immerhin kommen jedes Jahr sehr viele Gäste ins Haus und man kann sich ja nicht um alle kümmern. Es brauchte die lang Zeit, weil ich lernen musste, mich seiner Lebensrealität zu nähern. Ich konnte ihm also nicht die Art und Weise meines Umgangs mit Katzen in Deutschland aufdrücken. Oder anders ausgedrückt: ich musste auf meine Deutungshoheit verzichten.

Was hat das nun mit Social-Media zu tun? Für mich gibt es zwei wesentliche Punkte. Zum Einen tobt Perow gerne in der Landschaft rum. Zäune etc. interessieren bzw. behindern da wenig. Für mich stellen diese Zäune etc. aber sehr wohl eine Hürde dar. Vielen Mitarbeitern in Institutionen und Unternehmen geht es ähnlich. So wie ich mit Perow die Landschaft erkunden möchte, möchten sie mit Menschen im Internet kommunizieren. Ihre Zäune sind die vielen Restriktionen. Sie können sehr oft nicht frei ins Internet. Seiten sind gesperrt oder anderweitig nicht nutzbar. Ihre IT-Infrastruktur ist veraltet. Dies betrifft nicht nur die Rechner an sich, sondern ebenso Kameras etc. Sie können sich nur in einem engen inhaltlichen und strukturellen Rahmen bewegen. Viele Möglichkeiten sind damit nicht umsetzbar. Dies betrifft natürlich auch das vorhandene Know-How.

Zum Anderen habe ich mit Perow erst dann „arbeiten“ können, als ich bereit war, mich auf seine Lebensrealität einzulassen. Für Kulturinstitutionen ist der Verlust der Deutungshoheit schmerzlich. Viele der Menschen, die wir im Internet treffen möchten, denken und arbeiten anders. Und sie haben viele Institutionen und Produkte gar nicht nötig. Es gab einfach zu lange kein Interesse an ihnen. Nehmen wir nur mal die Gruppe für die ich stehe: zwischen 30 und 45 Jahre alt, beruflich stark eingebunden und dauernd unterwegs. Für diese Zielgruppe gibt es z.B. von Bibliotheken kein halbwegs vernünftiges Angebot. Also habe ich mein Amazon-Kindle, Google, Evernote etc. Ich selber habe kein Problem damit, für Services zu zahlen, wenn sie kundenorientiert sind, mir Mehrwerte bringen und zugleich in meine Lebensrealität passen.

Wenn alle diese Faktoren berücksichtigt werden, klappt es auch mit dem Kunden – bzw. der Katze:-) Es reicht also bei weitem nicht ein bisschen bei Facebook zu sein. Mit dem Start einer eigene Seite bei Facebook oder einem anderen Angebot ist nur der allererste und zugleich einfachste Schritt getan.

Beste Grüße

Christoph Deeg

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